KÜS: Trend-Tacho verzeichnet Akzeptanz für autonomes Fahren aber auch Skepsis bei Datenschutz und Haftungsfragen

11. September 2015

Fast die Hälfte der Autofahrer würde autonom fahren

Autonome Fahrzeuge traditioneller Hersteller bevorzugt

Kontrollverlust, Datenschutz und Haftungsfragen sind Haupteinwand

Komplett autonom fahrende Autos als Zukunftsmusik eingestuft

Verhaltene Akzeptanz bei Fahrassistenzsystemen

Die Autofahrer in Deutschland stehen dem autonomen Fahren keinesfalls ablehnend gegenüber. Das sagt das Ergebnis des aktuellen KÜS Trend-Tacho. Wichtig aber ist, dass der Eingriff durch den Fahrer im Notfall möglich sein muss. Ein voll automatisiertes Fahren wird als ausgeliefert sein empfunden und findet keine Mehrheit. Es wird von den Befragten als Zukunftsmusik eingestuft. Geklärt hätte man auch gerne die Haftung und den Schutz der vom oder im Auto erhobenen Daten.

Eher verhalten betrachten die deutschen Autofahrer den Nutzen von Fahrassistenzsystemen. Sie attestieren sich eine hohe Fahrkompetenz und ein sicheres Verkehrsverhalten.

Kurzfassung

Wenig bewegt die automobile Welt derzeit so sehr wie das Thema autonomes Fahren. Der KÜS Trend-Tacho hat hierzu die Befindlichkeiten abgefragt. 55 % können sich mit der Idee, automatisch chauffiert zu werden, anfreunden. Für 54 % der Befragten muss der Fahrer eingreifen können, etwa in Notsituationen. 71 % würden ein autonomes Fahrzeug eines traditionellen Herstellers kaufen. Also eine klare Absage an die Fahrzeuge von Google oder Apple, die wollen nur 5 %. Auch die Nachteile wurden klar formuliert. Für 62 % fehlt die Kontrolle über das Auto, 55 % sehen die Haftungsfragen bei Unfällen nicht geklärt und 39 % sehen den Schutz ihrer Daten bei autonomen Fahrzeugen nicht gewährleistet. Bis 2020, so glauben 55 % der Befragten, wird auf unseren Straßen eine größere Zahl autonomer Fahrzeuge (mit Noteingriff) zu sehen sein.

Langfassung

Laut KÜS Trend-Tacho kann sich jeder zweite Autofahrer vorstellen, mit einem autonomen Fahrzeug ohne menschlichen Eingriff unterwegs sein, 55 % würden das tun. Wenn zur Not der Fahrer eingreifen kann, sagen sogar 75 % ja. Ganz klar, es ist ein gewisses Misstrauen vorhanden, die Kontrolle sollte in letzter Instanz beim Fahrer liegen. Als Gründe für die hohe Zustimmung beim autonomen Fahren mit Eingriff nennen 79 % der Befragten den heute vorhandenen Stress beim Autofahren, 85 % sagen, sie ließen sich leicht ablenken beim Autofahren. Wo können sich die Autofahrer denn das hochautomatisierte Fahren, ohne Eingriffsmöglichkeit, vorstellen? Lange Autobahnfahrten sagen 76 %, in Staus auf der Autobahn 56 %, bei der Parkplatzsuche 45 %, 40 % bei geringem Verkehr, 39 % bei besonders dichtem Verkehr, 28 % im Stadtverkehr, 27 % auf Landstraßen, 3 % wissen es nicht.

Wie sieht es mit dem Fahrzeug aus, welches autonome Auto würde der Befragte wählen? Hier trauen 71 % den bekannten Fahrzeugherstellen, 8 % den Herstellern von Elektrofahrzeugen, 5 % den Produkten der IT- oder Internetkonzerne, 3 % den Automobilzulieferern, 13 % wissen es nicht. Also eine klare Absage an die Automobilbau-Ambitionen von Google, Apple und Co. Auch zu den aus ihrer Sicht Vor- und Nachteilen des hochautomatisierten Fahrens befragte der KÜS Trend-Tacho die Autofahrer. Weniger Stress (69 %), besserer Verkehrsfluss (50 %), ökologisches Fahren (48 %), mehr Verkehrssicherheit (42 %), mehr Zeit für andere Dinge (41 %), mehr Komfort (36 %) – soweit die Vorteile. Keine Vorteile sehen 13 %, 1 % entfällt auf den Begriff Sonstiges. Klare Aussagen gab es auch zu den Nachteilen. Keine Kontrolle mehr (62 %), zu teuer (60 %), ungeklärte Haftungsfragen (55 %), kein Spaß mehr am Fahren (50 %), kein ausreichender Datenschutz (39 %), insgesamt alles zu unsicher (28 %) – soweit die formulierten Nachteile. 5 % sehen keine Nachteile, 1 % Sonstiges. Die Autofahrer setzen sich also konstruktiv mit dem Thema autonomes Fahren auseinander und haben auch ernst zu nehmende Argumente zu bieten.

13 % der vom KÜS Trend-Tacho Befragten glauben, dass sich das autonome Fahren ohne Eingriff in Deutschland ganz bestimmt durchsetzen wird, 37 % sagen eher ja, 45 % eher nein und 6 % auf keinen Fall. Bis 2020, so meinen 55 % der Autofahrer, wird es in Deutschland eine größere Zahl autonomer Fahrzeuge mit Fahrereingriff auf unseren Straßen geben, bis 2025 eine größere Anzahl vollautonom fahrender Autos.

Ohne moderne Fahrassistenzsysteme ist autonomes Fahren nicht möglich. Der KÜS Trend-Tacho wollte von den Autofahrern wissen, welche der elektronischen Helfer sie gut kennen. Den Einparksensor nannten 58 %, Lichtautomatik 50 %, Rückfahrkameras 45 %, Abstandsregelung/Tempomat 40 %, Reifendruckkontrolle 39 %, automatisches Einparken 37 %, Spurhalteassistent 28 %, Brems-unterstützung 23 %, Toter-Winkel-Assistent 22%, Ermüdigkeitserkennung 20 %, Nachtsicht-Assistent 19 %, Verkehrsschilderkennung 15 %, Parkplatzsuche-App 11 % und Alkoholtestsystem 8 %. Was die Bewertung der Fahrassistenzsysteme anbelangt, so sagen 32 % der vom KÜS Trend-Tacho Befragten, dass sie die Erfahrung des Autofahrers nicht ersetzen können, für 31 % machen sie das Autofahren komfortabler, für 26 % sicherer, 19 % sehen eine Verführung zu leichtsinnigem Fahren, 15 % befürchten, man verlernt das Autofahren und 12 % sehen sie als nicht ausgereift und problematisch an.
Überzeugt sind 27 % der Befragten, dass sie sehr gute Autofahrer sind, 25 % haben nach eigener Meinung kritische Situationen auf der Straße im Griff, 10 % sehen nur noch Stress im Autofahren und 3 % bezeichnen sich als leicht ablenkbar beim Autofahren.

„Dass das autonome Fahren, ob mit oder ohne Fahrereingriff, ein Verkehrsmodell der Zukunft ist, steht außer Frage. Genau so klar ist aber auch, dass hier noch kräftig nachgearbeitet werden muss. Nicht die Marketingstrategen der Automobilhersteller bestimmen das Tempo, sondern auch Themen wie der Schutz der persönlichen Daten oder der Haftung,“ so Peter Schuler, der Bundes-geschäftsführer der KÜS zum Trend-Tacho.

Informationen zur Umfrage:

Die Umfrage erfolgte im August 2015 durch das renommierte Institut BBE Automotive GmbH im Auftrag der KÜS und des Fachmagazins kfz-betrieb. Genutzt wurde die Mixed-Mode-Befragung, bestehend aus einer telefonischen Befragung (CATI) und einer Online-Befragung (CAWI). Zielpersonen waren Pkw-Fahrer, die im Haushalt für Fragen rund um das Auto (Anschaffung, Wartung, Reparatur) mitverantwortlich sind. Die Gewichtung der Befragungsergebnisse fand mit den KBA-Bestandsdaten (Bestandsanteile Pkw, Alterssegmente) statt.